Mittelständische Pharma Holding expandiert mit Parallelimporten

Geschrieben von Redaktion am 7. Juni 2011 | Abgelegt unter Beteiligungen, Magnum AG

30-prozentiges Wachstum in nächsten Jahren – Stabile operative Marge – Hohe Ausschüttungsquote – Free Float wird deutlich größer
Von Ulli Gericke, BerlinBörsen-Zeitung, 4.6.2011 

“Grauimport” nennt sich bei Autos, was die Mittelständische Pharma Holding als Parallelimport bezeichnet. In beiden Fällen geht es darum, deutsche Qualitätsware, die im Ausland wegen der dort herrschenden Steuer- oder Preisstruktur deutlich preiswerter verkauft wird, wieder zu reimportieren, um sie hierzulande unter dem üblichen Listenpreis veräußern zu können. Was aber bei Autos einen leicht zwiespältigen Beigeschmack hat – nicht umsonst erinnert das Wort Grauimport an den dubiosen grauen Kapitalmarkt -, ist bei Medikamenten politisch gewollt. 5 % der Umsätze müssen Apotheken durch Arzneimittelimporte realisieren, verlangt der Gesetzgeber, womit Krankenkassen rund 300 Mill. Euro jährlich sparen können.

Tatsächlich verkaufen Boehringer, Bayer & Co ihre Medikamente im Ausland wegen der dort oftmals niedrigeren Kaufkraft zu einem deutlich geringeren Preis als hierzulande. Von einem lokalen Großhändler – etwa Celesio Griechenland – erwirbt dann Haemato Pharm, die operative Tochter der Mittelständischen Pharma Holding (MPH), das Originalmedikament, um es nach Deutschland zurückzubringen und in hiesigen Apotheken zu veräußern. Die Wertschöpfung der Berliner besteht darin, den Kreislauf als solchen zu organisieren – der Einsparungen im teuren Gesundheitswesen verspricht – und den (je nach Einkaufsland) griechisch-, tschechisch-, spanischsprachigen Beipackzettel durch einen deutschsprachigen zu ersetzen.

9-prozentige Ebit-Marge

Allein mit Onkologiearzneien hat MPH 2010 fast 100 Mill. Euro umgesetzt. Die bei diesem Arbitragegeschäft realisierbare Rohmarge beziffert Finanzchef Christian Pahl im Gespräch mit der Börsen-Zeitung auf etwa 7 %. Ein Vielfaches dieser mageren Handelsmarge erzielt die Ende 2008 gegründete MPH in ihrem Generikageschäft. Auch hier sind die Berliner nicht selbst als Pharmaproduzenten tätig, sondern beschränken sich auf den Einkauf von Lizenzen und Wirkstoffen, womit Lohnhersteller dann Medikamente produzieren und verpacken. Mit diesem Generikageschäft, mit dem im vergangenen Jahr allerdings nur 17 Mill. Euro erlöst wurden, lässt sich Pahl zufolge eine Rohmarge von etwa 40 % erwirtschaften. Beide Sparten zusammen ergäben eine Rohmarge von 15 %, aus der dank der geringen übrigen Kosten ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von relativ stabilen 9 % resultiere.

Bei einem Umsatz von 112,4 Mill. Euro im vergangenen Jahr erzielte die MPH einen operativen Gewinn von 10,4 Mill. und einen Überschuss von 9,1 Mill. Euro. Der Gewinn je Aktie hat sich damit von vorjährigen 13 Cent auf 24 Cent fast verdoppelt. Der Hauptversammlung Ende Juni wird vorgeschlagen, daraus 20 Cent für Vorzugsaktionäre auszuschütten und 17 Cent für Stämme. Diese großzügige Ausschüttungspolitik will Pahl auch künftig beibehalten.

Aufgeteilt sind die 38,05 Millionen Aktien hälftig in Stämme und Vorzüge. Die stimmberechtigten Papiere befinden sich vollständig in Händen der Beteiligungsgesellschaft Magnum, die wiederum der Familie Brenske gehört. Patrick Brenske ist im Vorstand für das operative Geschäft der MPH zuständig. Magnum hält neben den Stämmen auch gut die Hälfte der Vorzugsaktien. Ein weiteres knappes Drittel hat längere Zeit die Immobilienfirma Windsor besessen, die ebenfalls zu Magnum gehört. Da sich Windsor allerdings sukzessive von MPH-Aktien trennt, schätzt Pahl den Anteil des Free Float an der Pharma Holding auf aktuell etwa 30 %. Sein Ziel ist, die bei Investoren unbeliebte, weil stimmrechtlose Vorzugsaktie bei der nächsten HV 2012 abzuschaffen, indem beide Aktiengattungen zusammengeführt werden.

In den ersten drei Monaten 2011 hat die MPH ihren Umsatz weiter auf 35,1 Mill. ausgeweitet, bei einem Ebit von 3,2 Mill. Euro. Im gesamten laufenden Jahr wollen die Berliner auf 145 Mill. hochdrehen, dem ein erneut 30-prozentiges Plus auf dann knapp 190 Mill. Euro 2012 folgen soll. Bei einer stabilen operativen Marge sollte das Ebit über 13 auf 17 Mill. Euro 2012 klettern.

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